Heidenheim

Markt Heidenheim

Lage

Heidenheim (520 – 640m) liegt geschützt in einer wasserreichen Mulde des Hahnenkamms, des nördlichen Ausläufers der schwäbisch-fränkischen Alb. Es ist Hauptort des Hahnenkamms und historisch, besonders kirchenhistorisch, aber auch geologisch und botanisch sehr interessant.


Siedlungsspuren

Einzelne Hügelgräber weisen auf eine ursprünglich geringe Besiedlung hin. Siedlungsspuren der Römer sind vereinzelt als „villa rustica“ im Quellbereich der Bäche nachgewiesen. Nach dem Zurückdrängen der Römer durch die Germanen im dritten Jahrhundert siedeln Juthungen aus dem thüringischen Raum, bevor dann Franken wohl nach 500 ihrerseits die Herrschaft übernehmen. Die Namensendung „–heim“ weist auf die fränkische Prägung der Siedlung hin. Als örtlicher Führer gilt ein gewisser „Heido“.


Gründung eines bedeutenden Benediktinerklosters

Die eigentliche, erste herausragende Bedeutung des Ortes beginnt mit der anglikanischen Gründung eines Klosters 752 n. Chr. durch Wunibald, einen Neffen von Bonifatius, des Apostels der Deutschen. An der Nahtstelle von Franken, Schwaben und Bayern ist die Klostergründung als südliches Gegenstück zu Fulda zu sehen. Nach Wunibalds Tod übernimmt dessen Schwester Walburga die Leitung des Klosters. Walburga werden zahlreiche Wunder zugeschrieben. Nach 849 (880 ?) wird sie zur Heiligen erhoben und im Mittelalter zu einer der am meisten verehrten Heiligen des gesamten Abendlandes. Eine verwandte Nonne namens Hugeburc überliefert in einer der ältesten Handschriften Bayerns die Lebensbeschreibung von Wunibald und dessen Bruder Willibald, Bischof in Eichstätt. Von Eichstätt und Heidenheim aus entwickelt sich flächendeckend die Christianisierung des sog. Nordgaus, eines Gebietes nördlich der Donau bis zum heutigen Oberfranken. Nach Walburgas Tod wird das Kloster in ein Kanonikerstift umgewandelt. Mit der Wiedereinführung der strengen benediktinischen Regeln durch Kaiser Barbarossa in der sog. „Heidenheimer Reform“ bekommt Heidenheim erneut weit überregionale Bedeutung.


Klosteranlage

Nach der Gründung entsteht etwa um 760 ein Doppelkloster angelsächsischer Prägung für Mönche und Nonnen, das als einziges nachgewiesenes dieser Art auf dem Festland gilt. Nach einem Brand wird die Anlage um 1180 wiederaufgebaut. Im 15. Jh. verändern baufreudige Äbte Kirche und Kloster. Heute besteht mit dem Heidenheimer Kloster – trotz weiterer Umbauten durch die ansbachischen Markgrafen nach der Reformation – eines der ganz wenigen noch erhaltenen benediktinischen Reformklöster Mitteleuropas. Eine weitere Besonderheit ist die gotisch überdachte, sehr ergiebige  Heidenquelle hinter der Klosteranlage.


Das Münster  

Das Heidenheimer Münster gehört baugeschichtlich zu den besonderen Kirchen Frankens. Es ist im Wesentlichen romanisch, nachdem die Klosterkirche nach dem Brand um 1180 größer und im Hirsauer Stil als Basilika mit fünf Apsiden wiederaufgebaut wird, wechselweise aus Suevit (Meteoritgestein vom Riesrand) und rötlichem Burgsandstein. Nach Anfügung eines hochgotischen Chores (um 1483) wird das Münster die längste Kirche des Landkreises. Es enthält die Grabmale seiner beiden bedeutenden Heiligen. Außerdem befinden sich im Kirchenraum etliche wertvolle Epitaphe. Nicht gelöst ist das Rätsel um ein Bodenmosaik, den sog. Heidenheimer Stern. Nach der Übernahme des Klosters durch den Markgrafen von Ansbach ist das Münster zur ersten Hofkirche des Fürsten geworden. Die heutigen Türme sind neugotisch. Mit neun Glocken – eine erste, nicht mehr vorhandene Glocke ist bereits um 760 bezeugt – besitzt die Kirche das Geläut eines Domes. Jährlich werden im Münster zahlreiche Konzerte abgehalten, das wegen der hervorragenden Akustik ein besonderes Klangerlebnis vermittelt.


Wirtschaft

Heidenheim besitzt seit etwa 700 Jahren Marktrecht mit bis zu zehn Märkten pro Jahr. Über Jahrhunderte ist ein vielfältiges Handwerk vorhanden. Die Schafzucht gilt als wertvoll. Ebenso produziert Heidenheim Töpferware für das weite Umfeld. Das heute berühmte Geschirr aus Bunzlau in Schlesien (heute Polen) geht auf die Heidenheimer Töpferei zurück.


Verwaltungsmittelpunkt

Ab 1808 ist der Ort Sitz eines Distriktes mit allen Behörden und  kompletter Verwaltungsstruktur. Dieses sog. Landgericht hat u. a. die Gerichtsbarkeit, eine Postexpedition und ab 1884 ein Krankenhaus besessen. Der Ort ist nach Ulmer Stadtrecht verwaltet worden und in vier Viertel eingeteilt gewesen. Aus finanziellen Gründen hat sich Heidenheim 1808 nicht zur Stadterhebung entschließen können. Mitte des 19. Jh. wird aus mehreren Zechen Eisenerz gewonnen. Eine um 1900 bereits ausgesteckte Eisenbahnlinie wird nicht eingerichtet.


Juden

Um 1750 siedelt der Markgraf von Ansbach aus finanziellen Gründen Juden an. 250 Jahre jüdische Geschichte bescheren Heidenheim wirtschaftlichen Zuwachs, eine Modellsynagoge (1938 abgebrannt) und mit Wolf Heidenheim einen berühmten Grammatiker.


Persönlichkeiten

Heidenheim bringt etliche bedeutende Leute hervor. Der  Herausragendste ist wohl Georg Mizler, ein Universalgelehrte des 18. Jh, der später Leibarzt von August des Starken in Warschau wird.


Industrie

Nach dem 2. Weltkrieg ist der Ansatz einer Industrialisierung wieder verloren gegangen.


Bundeswehr

Von 1972 – 2004 ist Heidenheim Garnisonsstandort und größter Panzerstandort Süddeutschlands. Auf dem Übungsgelände wird mehrfach mit den jeweils neuesten Typen trainiert. Die Garnison Heidenheim erreicht im internationalen Vergleich hervorragende Ergebnisse.


Das „1250-jährige Heidenheim“ heute

Eingebettet in einen abwechslungsreichen, vielseitigen Landschaftsgarten wirkt der ruhige Ort vielleicht etwas zurückgezogen. Längs durchzogen von einem grünen Band an Gärten und frei von Industrie, hat der Marktflecken eine abwechslungsreiche Siedlungsstruktur mit historischem Kern.

Heidenheim ist Verwaltungs- und Dekanatsitz, zentraler Schulort, hat Schullandheim, Forstdienststelle, Postserviceagentur, Arzt und Apotheke (gegr. 1560), Diakoniestation, dazu zahlreiche Geschäfte und Restaurationen.

Durch Heidenheim führen etliche Wanderwege: u. a. „Jakobus-Pilgerweg“ (nach Santiago de Compostela), „Schlaufenweg 3“ des preisgekrönten „Altmühl-Panoramaweges“ (früher Ostsee – Alpen), „Rhein-Main-Donau-Karpaten“, „Main-Donau“, Radwanderweg „Gunzenhausen-Hahnenkamm-Ries“. In den „Hahnenkamm-Erlebnispfad“ ist der neue Wanderweg „Von Quelle zu Quelle“ und das ökologische Modell „Hain der Besinnung“ einbezogen. Zahlreiche Biotope sind Bestandteil eines künftigen „Landschaftsgartens Hahnenkamm“. Geschichtlich bekannt ist die „Käsrinne“, früher als Heilbad genutzt, heute als Steinerne Rinne ein Naturdenkmal. Das Naturfreibad wird direkt von einer Quelle gespeist.

Die Gastronomie Heidenheims präsentiert sich mit Fränkisch gehoben, Fränkisch exquisit, Fränkisch rustikal, dazu mit mehreren Cafés.

(Text: Gerhard Bayerköhler)